Botanischer Garten Neuss
Aufwertung der Eingangsbereiche und Erweiterung des Botanischen Gartens in Neuss.
Die Eröffnung des heute denkmalgeschützten Botanischen Gartens fand im Jahr 1914 als Botanischer Schulgarten zur Förderung des naturkundlichen Unterrichts statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Garten jedoch weitgehend zerstört. Ab 1948 begann der schrittweise Wiederaufbau, der 1961 in der feierlichen Wiedereröffnung des heutigen Botanischen Gartens mündete. Die Schließung der angrenzenden Stadtgärtnerei im Jahr 2013 war Anlass über eine Umstrukturierung und Revitalisierung des Botanischen Gartens nachzudenken.
Als erste Maßnahme wurde der Eingangsbereich an der Bergheimer Straße aufgewertet. Anschließend folgte der Eingangsbereich an der Körnerstraße. Beide Eingänge wurden zu einladenden Quartiersplätzen umgestaltet, die nicht nur den Zugang zum Botanischen Garten markieren, sondern ihn zugleich städtebaulich mit den umliegenden Stadtquartieren verbinden.
Der Platz an der Bergheimer Straße wird geprägt durch eine Rasenfläche, eingefasst von einer Sitzmauer, in die Teile des historischen Baumbestands integriert wurden. Eine Pergola mit Waldreben bietet Schatten, bei Dunkelheit wird sie atmosphärisch durch Bodenleuchten inszeniert. Die Bepflanzung mit Zier-Kirschen, einer Tulpenmagnolie und vielfältigen Stauden ergänzt die bestehende Vegetation. Für Kinder stellt das Wasserspiel, das sich über einen Bodentaster bedienen lässt ein Highlight dar.
Auch der Platz an der Körnerstraße wurde mit einer Pergola gestaltet, die als räumliche Kante fungiert und den Eingang in den Botanischen Garten markiert. Sitzbänke und -blöcke sowie mit Holzauflagen versehene Podeste laden zum Verweilen ein. Einige der Sitzgelegenheiten fassen bestehende Bäume ein und integrieren diese harmonisch in die neue Platzgestaltung. Diese Aufenthaltsqualität kommt auch den Schülern des angrenzenden Berufskollegs zugute. Ergänzt wird der Baumbestand hier durch eine rosablühende Winterkirsche und blühende Staudenbeete.

Die dritte und letzte Maßnahme war die Erweiterung des Botanischen Gartens auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei. Dieser Bereich befindet sich nicht im geschützten Denkmalbereich und ermöglichte eine Ergänzung durch neue Themen- und Gartenräume. Die Fläche gliedert sich in vier Teilbereiche:
Der Garten vor dem ehemaligen Langhaus (Gewächshaus)
Dieser Bereich besteht aus einem mit einer Klinkermauer eingefassten Kinderspielbereich. Hier laden ein Labyrinth aus Holzstelen, ein Baumstammweg, Findlinge und eine Sand- und Matschküche zum Spielen ein. In der Mitte des Gartens gliedern Pflasterklinkerbänder die Rasenfläche in Beetstrukturen, die an die frühere Gärtnereinutzung erinnern. Eine kleine Platzfläche bildet den Abschluss des Bereichs und schafft Raum für Begegnung und Gespräch.
Die Gartenfelder auf der Fläche des ehemaligen Langhauses
Hier entstanden sieben Gartenfelder, die die Partnerschaften der Stadt Neuss mit ihren sechs Partnerstädten – von Saint Paul in den USA bis nach Nevşehir in der Türkei – symbolisieren. Die jeweiligen Felder präsentieren typische Pflanzen aus den Regionen und zeigen die grenzübergreifenden Verwandtschaften und Verwendungen besonderer Arten auf.
Die Wiese der Exoten
Diese bildet das Zentrum der Erweiterungsfläche. Ein großzügiger Wegebogen verbindet die neue Fläche mit dem denkmalgeschützten Teil und erschließt auch die weiter nördlich gelegenen Themenfelder. Bestehende Elemente wie das Amphitheater wurden in die Planung integriert. Solitärgehölze strukturieren die Fläche und bieten Raum für botanische Besonderheiten.
Versuchs- und Themenfelder im Norden
Die Versuchs- und Themenfelder dienen dem Forschen, Experimentieren und Lernen zu aktuellen Fragestellungen rund um Vegetation. Themen wie Bepflanzung von Extremstandorten, Vegetation und Klimawandel oder Urban Gardening finden hier ihren Platz.
Die Planung und Umsetzung erfolgten unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes. Historische Elemente wurden bewusst in die neue Gestaltung integriert. So entspricht die Lage des neuen Wasserspiels am Eingang Bergheimer Straße dem Standort eines historischen Sandkastens. Gleiches gilt für das Staudenbeet auf der Rasenterrasse.










